FDP stimmt gegen Michael Werner-Boelz (Grüne) als neuen Bezirksamtsleiter

Gepostet am 9. Dezember 2019

Dickow: „Werner-Boelz ist nicht hinreichend qualifiziert und inhaltlich auf dem falschen Weg.“

Die FDP-Fraktion in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord hat in der vergangenen Woche ein Gespräch mit dem Kandidaten der Grünen für die Wahl zum Bezirksamtsleiter, Michael Werner-Boelz, geführt. Als Ergebnis dieses Gesprächs haben sich die Abgeordneten entschieden, Werner-Boelz‘ Kandidatur nicht zu unterstützen, sondern mit Nein zu stimmen.

Einerseits konnte Werner-Boelz die Zweifel an seiner persönlichen Qualifikation, die insbesondere durch die mangelnde Erfahrung in der Führung größerer Personalkörper begründet sind, nicht ausräumen. Zum Anderen gab es insbesondere in der Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik erhebliche inhaltliche Differenzen.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Claus-Joachim Dickow dazu: „Michael Werner-Boelz hat keinerlei Erfahrung in Führungspositionen. Acht Jahre als subalterner Verwaltungsmitarbeiter in einer bayerisch-schwäbischen Kleinstadt lassen sich nicht mit der Leitung eines Amtes mit 1.200 Beschäftigten und der Zuständigkeit für mehr als 310.000 Einwohner vergleichen. Wir haben den Eindruck, dass Herrn Werner-Boelz nicht so wirklich weiß, auf was er sich einlässt und hofft, dass seine Dezernenten und Fachamtsleiter die tägliche Arbeit schon für ihn regeln werden. Aber gerade angesichts der Verunsicherung, die das Bezirksamt nach der Rolling-Stones-Kartenaffäre erfasst hat, braucht es eine erfahrene Führungspersönlichkeit, die den vielen unbescholtenen und tatkräftigen Mitarbeitern den Rücken stärkt und der Bevölkerung das Vertrauen in die Verwaltung zurück gibt.“

Zu den inhaltlichen Differenzen meint Dickow: „Die völlige Abkehr vom Einfamilienhausbau wird auf Dauer viele junge Mittelschicht-Familien vor die Tore der Stadt treiben. Dies ist angesichts der dann zunehmenden Pendelverkehre unverantwortlich. Aber auch die absolute Verteufelung des Autos hilft uns nicht weiter. Klar ist, dass die Verkehrswende nur mit und nicht gegen die Menschen geht. Das klappt aber nur mit Überzeugung und nicht mit Vergrämung der Autofahrer. Es wird immer Menschen geben, die aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen auf das Kfz angewiesen sind. Dass es Werner-Boelz nicht um eine wirkliche Verbesserung des ÖPNV, die die Grundlage für weniger Autoverkehr ist, geht, sieht man auch daran, dass die Grünen es unter seiner Führung abgelehnt haben, einen U-Bahn-Abzweig von der U5 über das UKE und Groß Borstel zum Flughafen überhaupt auch nur anzudenken.“

Dickow bedauert, dass die frühzeitige Festlegung der Grünen auf Werner-Boelz die Ausschreibung der Bezirksamtsleiterstelle zur Farce gemacht hat: „Die frühzeitige Festlegung auf einen bestimmten Kandidaten hat in Verbindung mit dem Verzicht auf das Kriterium der Führungserfahrung dazu geführt, dass hochqualifizierte Interessenten für die Bezirksamtsleitung sich von vorneherein sagen mussten, dass die Entscheidung bereits

gefallen ist und sie nur noch als Staffage dienen sollen. So wird die Bestenauslese, die das Beamtenrecht fordert, faktisch außer Kraft gesetzt.“

2 Kommentare zu “FDP stimmt gegen Michael Werner-Boelz (Grüne) als neuen Bezirksamtsleiter”

  1. [* Das Plugin Shield hat diesen Kommentar als „Pending Moderation“ markiert. Grund: Menschlicher SPAM-Filter hat „-online.“ in „author_email“ gefunden *]
    Liebe FDP
    gewählt ist gewählt! Das ist doch gängige Praxis in der Politik.
    Herr Werner Boelz hat in den letzten 20 Jahren kontinuierlich und auch beharrlich
    an den maßgeblichen Themen im Bezirk Nord gearbeitet. Seine Wahl zum Bezirksamtsleiter
    sprich da doch für sich. Das die FDP mit Ihrer kleinen Besetzung dagegen ist, ist doch verständlich. Es gibt halt immer etwas, was man das erste mal macht.
    Papst, Bundespräsident, Bürgermeister der FHH kann man nicht lernen. Man muss es einfach mal machen. Am Ende der Amtszeit von MWB möchte ich an dieser Stelle ein gerechtes Urteil von Ihnen hören, Herr Dickow. Danke.

    1. Sehr geehrter Herr Bolls,

      natürlich ist Herr Werner-Boelz gewählt und wird dieses Amt nun auch antreten. Wir hätten uns jedoch jemanden gewünscht, der bereits eine gewisse Führungserfahrung hat, um dieses schwere Amt anzutreten. Natürlich haben alle Menschen jede Position irgendwann einmal zum ersten Mal inne, aber im Regelfall haben Personen, die herausgehobene Ämter übernehmen bereits zuvor einmal in verantwortlicher Position gearbeitet. Um bei Ihren Beispielen zu bleiben: Der derzeitige Papst war 15 Jahre Erzbischof von Buenos Aires, der Bundespräsident acht Jahre Bundesaußenminister und der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg sieben Jahre Finanzsenator. Wir glauben, dass jemand, der ein Amt mit 1.200 Mitarbeitern führen soll, eine gewisse Erfahrung in der Führung von Personalkörpern braucht. Trotzdem wünschen wir Herrn Werner-Boelz selbstredend viel Glück bei seiner neuen Aufgabe. Er wird es brauchen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Claus-Joachim Dickow
      Vorsitzender der FDP-Fraktion in der
      Bezirksversammlung Hamburg-Nord

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